Funktionelle Darmstörungen


Begriffserläuterung

Von funktionellen Darmstörungen sprechen wir, wenn Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen, Blähungen und/oder Entleerungsstörungen über einen längeren Zeitraum bestehen, ohne dass nach sorgfältiger und vollständiger Untersuchung eine Ursache gefunden werden konnte und wichtige Erkrankungen mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen wurden. Dabei können die Beschwerden in allen Kombinationen und wechselnder Intensität auftreten. In aller Regel kommt es zu keine Alarmsignalen wie Blutabgang, Fieber, Gewichtsverlust oder stärksten Schmerzen mit Reizzustand des Bauchfells („harter Bauch“). Es handelt sich also um eine sog. Ausschlussdiagnose, geläufig ist hier der Begriff des Reizdarmsyndroms.

Ursachen

Häufige Ursachen solcher Beschwerden sind Ernährungsverhalten und mangelnde Bewegung oder gar Überbelastung. Häufig stehen die Beschwerden im engen Zusammenhang mit stattgehabten Darminfektionen oder vorangegangenen Behandlungen. Eine veränderte Darmflora (Bakterienzusammensetzung im Darm) sowie körperliche und seelische Belastungssituationen können die Beschwerden negativ beeinflussen. In letzter Zeit steht das Mikrobiom, d.h. die Zusammensetzung der gesamten Darmflora im Mittelpunkt der medizinischen Forschung.

Häufigkeit

Wir schätzen, das über 50% der Patienten mit den oben beschriebenen Beschwerden an einer mit unseren Methoden nicht fassbaren Störung leiden, die wir unter dem Begriff der funktionellen Darmstörung oder Reizdarmsyndrom zusammenfassen.

Untersuchungen

Die Befragung und körperliche Untersuchung sind wie bei den entzündlichen Darmerkrankungen die Grundlage der Abklärung von funktionellen Darmstörungen. Ergänzend werden der Ultraschall des Bauchraumes, Blut- und Stuhluntersuchungen sowie endoskopische Verfahren wie (Magen- und) Darmspiegelungen eingesetzt. Natürlich sind auch bei bestimmten Fragestellungen die radiologischen Verfahren wie CT und MRT sehr hilfreich. Bei endokopischer Abklärung helfen feingewebliche Untersuchungen von Gewebeproben aus dem Darm gut weiter. Entscheidend ist hier die sorgfältige und vollständige Durchführung der Untersuchungen und die Erfahrung des Untersuchers. Die funktionellen Darmstörungen sind eine Ausschlussdiagnose nach gewissenhafter Abklärung.

Behandlung

Die Behandlung von funktionellen Darmstörungen ist schwierig und muss immer individuell erfolgen. Sie besteht aus Ernährungsberatung mit Erfassung von Essgewohnheiten und Erarbeiten von Ernährungsempfehlungen. Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ausgewogene Ernährung nach Verträglichkeit ist ebenso existenziell. Schmerzlindernde oder entblähende Medikamente können vorübergehend Linderung erzielen, sollte auf Dauer nur sehr vereinzelt eingesetzt werden. Substanzen wie Ballaststoffe (Flohsamen), „Weichmacher“ (Macrogol) und Unterstützer der Darmflora wie Probiotika werden häufig eingesetzt. Zur Vermeidung von unnötigen Nebenwirkungen kommen häufig komplementärmedizinische Methoden wie Osteopathie, Homöopathie, Akupunktur und TCM sowie andere Naturheilverfahren zur erfolgreichen Anwendung.

Kontrollen

Nach gewissenhafter Abklärung und Ausschluss bedrohlicher Erkrankungen sind grundsätzlich keine weiteren Kontrollen sinnvoll, sie richten meist eher Schaden an. Nur bei neu aufgetretenen Alarmsignalen wie analer Blutung u.ä. muss kontrolliert werden. Das Wichtigste ist eine enge Arzt-Patienten-Beziehung, das Annehmen der Beschwerden, aber auch die Darstellung der fehlenden Bedrohung und Gefährlichkeit dieser Störungen. Insbesondere muss darauf geachtet werden, dass keine unnötige Gefährdung des Patienten durch überflüssige Untersuchungen und Therapien erfolgt!